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KÄRNTEN SILENTPLAY
10. Oktober
Der 10. Oktober: Als Kind war der 10. Oktober eigentlich davon gekennzeichnet, dass ich eine Fahne bemalt habe, man musste immer nachdenken, wo genau war das Rot, wo war das Gelb, wo war das Weiß - das war schon wichtig. Man musste das Kärntner Heimatlied singen. Die 4. Strophe war immer etwas grauslich für mich und ich wollte sie eigentlich nicht singen. Aber es war so und dann am Abend der Fackelzug. Hoch auf den Bergen die Lichter, die Feuer, die die Grenze markierten. Und immer wieder die Erzählungen von Onkel Hermann. Onkel Hermann war damals mit 17, Teil des Kärntner Abwehrkampfes. Er war ein Abwehrkämpfer. Als Kind habe ich immer gedacht, das heißt Abwärtskämpfer und hab nicht ganz genau gewusst, was das bedeutet. Mit Onkel Hermann in den Karawanken unterwegs zu sein, war immer ganz etwas Besonderes. Er hat nicht nur davon erzählt, wie er mit 17 auf diesen Bergen Kärnten verteidigte, sondern er hat hauptsächlich davon erzählt, wie es dann danach war, als er Zöllner wurde und eigentlich mit den slowenischen oder damals jugoslawischen Grenzbeamten eigentlich ziemlich viel Spaß hatte. Sie haben sich eigentlich gut verstanden. Das ist etwas, was wir, wenn wir nun jetzt um die Ecke biegen, am 8. Mai, an diesem Gedenktag auch überlegen sollten, denn am 10. Oktober haben unsere slowenischen Mitbürger hauptsächlich dazu beigetragen, das Kärnten bei Österreich bleiben konnte. Und am 8. Mai haben die jugoslawischen Truppen wieder Süd-Kärnten besetzt und mit den slowenischen Mitbürgern wurde eben in den Jahren davor nicht gut umgegangen. Trotzdem kann ich nicht einfach darüber sprechen, weil in den Tagen rund um den 8. Mai sind Tito-Partisanen nach Bad Eisenkappel gekommen. Meine Mutter war sieben Jahre alt. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Mutter, meiner Großmutter, in Sicherheit gebracht, nach Metnitz, ganz weit in den Norden von Kärnten, weil alle Angst hatten. Es war ein deutsches Haus und meine Großmutter, die lustige, lebensfrohe Friedel, die machte sich Sorgen um ihre Mutter und ist dann trotzdem nach Eisenkappel gegangen. Am Tag darauf wurden sie gemeinsam mit zahlreichen Frauen der Familie nach Jugoslawien verschleppt. Nun, ihr Schicksal war lange, lange nicht bekannt. Jetzt weiß man, wo sie begraben liegen. Meine Mutter, meine ebenso lustige und lebensfrohe Mutter, hat ihren Frieden gefunden und kann jetzt auch unseren slowenischen Mitbürgern die Hand reichen und ich bin sehr stolz auf sie.
