SILENTPLAY TARVIS

 

 

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Via Romana


Jetzt kommen wir an der Bäckerei Svetina vorbei, der ältesten Bäckerei in Tarvis, die seit mehr als 80 Jahren Krampusse aus süßem Brot herstellt. Dabei handelt es sich um kleine Brötchen, die durch besondere Einschnitte die Form eines kleinen Krampus annehmen: mit Zunge, Augen aus Rosinen und sogar kleinen Ruten in der Hand. Sie sind wirklich kleine Schmuckstücke und stellen ein echtes handwerkliches Können dar. Die kleinen Brotkrampusse werden während des Nikolausfestes vom Heiligen Nikolaus und den Krampussen an die Kinder verschenkt. Sie sollen die Angst, die Aufregung und auch die Spannung dieses besonderen Moments ein wenig mildern – und versüßen.
Von hier aus gehen wir weiter entlang der Via Romana, der ältesten Straße von Tarvis. Sie war einst die eigentliche Hauptstraße – die Via Roma wurde erst später angelegt. Es handelt sich um eine schmalere, aber besonders reizvolle Straße. Auf der linken Seite begleitet uns der Wald, während wir auf der rechten Seite eine Reihe alter Häuser sehen, darunter auch die berühmte Apotheke, um die sich zahlreiche Geschichten aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie ranken. Wenn wir die Straße weiter hinauf gehen, begegnen wir weiteren historischen Gasthäusern sowie dem ehemaligen Forsthaus – einem alten und bedeutenden Gebäude. Es erinnert daran, dass der Wald das wertvollste Gut des Tales ist – ein Gut, das seit jeher besonders sorgfältig gepflegt und geschützt wird.
Von hier aus gelangt man auch in einen wunderschönen Wald, der heute Parco Cervi heißt – ein geheimnisvoller Ort, aus dem am 5. Dezember die Krampusse hervorkommen. Diese Krampusse tragen Fackeln, große Glocken, schwere Ketten und halten Ruten in den Händen. Sie sprechen nicht – sie knurren, lassen ihre Glocken erklingen und rennen durch die Dunkelheit. All das erzeugt bei jedem, der sich nähert, ein Schaudern – ganz gleich, ob man darauf vorbereitet ist oder nicht. Dann stürmen sie den Hang hinunter, bis sie die Via Roma und schließlich den Platz erreichen. Dort treffen sie auf die anderen Krampusse, die aus dem unteren Teil von Tarvis heraufkommen. Gemeinsam sorgen sie entlang dieser Straße für ein wildes, spektakuläres Treiben, begleitet von begeisterten Zuschauern und dem aufgeregten Rennen der Kinder. Man hört von überall Rufe: „Sie kommen, sie kommen! Hilfe! Ach wie schön! Oh, wie schrecklich diese Krampusse sind!" Die Krampusse jagen vor allem die älteren Kinder und Jugendlichen, etwa im Alter zwischen elf und achtzehn Jahren. Diese fordern sie heraus, springen herum, lachen und schreien. Und die Krampusse – mit ihren schweren Masken, Ketten und Glocken – müssen ihnen hinterherlaufen und sie fangen. Wie sie dabei überhaupt etwas sehen können, ist schwer vorstellbar. Doch es ist ein magischer Moment. Man darf nicht vergessen: In diesem Augenblick sind die echten Krampusse in ihre Augen eingezogen – und SIE führen sie. Und dann, mitten in diesem Lärm, diesem wilden Durcheinander, das sich im Herzen des alten Platzes vor der Kirche sammelt, geschieht plötzlich etwas Besonderes. Die Türen der Kirche öffnen sich. Und heraus tritt ein beeindruckender Heiliger Nikolaus: groß, würdevoll, mit einem langen weißen Bart, seinem Bischofsstab, der Mitra und dem Mantel. In seinen Händen hält er ein geheimnisvolles Buch, in dem alles über die Kinder des Dorfes geschrieben steht. Oft wird er von einer engelsgleichen jungen Frau begleitet, mit Flügeln und einem weißen Gewand. Sie zieht einen großen Korb hinter sich her, gefüllt mit den berühmten süßen Krampussen aus Brot. Dieser eindrucksvolle Heilige Nikolaus hebt seinen Stab – und stampft ihn auf den Boden auf. Und plötzlich… breitet sich völlige Stille über den ganzen Platz aus.


1. Benvenuti al Museo della macchina da scrivere!