SILENTPLAY VICENZA

 

 

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Die Umgestaltung


An die Umgestaltungsmaßnahmen am See, die Mitte der 1960er-Jahre vom italienischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten finanziert wurden, erinnere ich mich noch sehr genau. Vor der Osteria al Lago hatte man große Leinwände aufgehängt, auf denen Pläne, Karten und Zeichnungen des Geländes zu sehen waren. Eingezeichnet war auch eine Straße, die den See umrunden sollte. Die Männer standen davor und diskutierten angeregt: „Was wird jetzt geschehen? Wir werden nicht mehr Herren unseres Sees sein.“ Denn bis Mitte der 1960er-Jahre befand sich der See in Privatbesitz. Erst durch dieses Projekt ging er in öffentliches Eigentum über. Das Ziel war, ein Wasserreservoir für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen im südlichen Gebiet der Provinz Vicenza zu erschaffen. Gleichzeitig wollte man dem Tourismus neuen Auftrieb geben und ein Gewässer schaffen, das sich auch für Ruderwettbewerbe eignete. Doch diese Ziele wurden nie wirklich erreicht. Weder entwickelte sich der Tourismus wie erhofft, noch entstand ein bedeutendes Zentrum für den Rudersport, noch erfüllt der See heute die ursprünglich geplante Funktion als großes Bewässerungsbecken. Was mich damals jedoch am meisten beeindruckte, war die tiefgreifende Veränderung der Landschaft. Schon als Kind musste ich mit ansehen, wie der See umgestaltet wurde. Bagger, Lastwagen, Bulldozer und Motorsägen rückten an. Alle Bäume am Ufer wurden gefällt. Anschließend wurden Kräne auf Pontons montiert, mit denen man sogar die ausgedehnten Schilfbestände herausriss. Ende der 1960er-Jahre gab es schließlich eine Straße, die ursprünglich als Damm gedacht war und später den gesamten See umrundete. Daneben lag eine riesige Wasserfläche – ohne Schilf, ohne Bäume, ohne Sträucher. Eine Wasserfläche, die beinahe wie eine Wasserwüste wirkte. Für die Fischer hatte dies ebenfalls schwerwiegende Folgen. Viele besaßen Fischereirechte auf ihrem Grund und konnten nun nicht mehr davon gebrauch machen. Somit endete In dieser Zeit praktisch auch die private, gewerbsmäßige Fischerei am See. Die Sumpfvegetation – Schilf, Rohrkolben, Seerosen und auch die Wassernuss – gewann ihren Lebensraum rasch zurück und besiedelte wieder die Bereiche, deren Wassertiefe ihren Bedürfnissen entsprach. Bei den Bäumen verlief dieser Prozess deutlich langsamer. Die Ufergehölze konnten sich nicht von selbst erholen. Deshalb waren gezielte Aufforstungsmaßnahmen notwendig. Die ersten Bepflanzungen wurden von der Gemeindeverwaltung von Arcugnano durchgeführt. Damals fehlte jedoch noch das Wissen darüber, welche Baum- und Straucharten geeignet waren und in welcher Anzahl sie gepflanzt werden sollten. Trotz aller Schwierigkeiten war es jedoch ein erster Versuch. Auch wenn damals nicht unbedingt die charakteristischsten Pflanzen dieser Feuchtgebiete gesetzt wurden, markierte diese Initiative den Beginn einer umfassenden Wiederaufforstung. Später schlossen sich auch die Schulen an. Lehrerinnen, Lehrer und Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an Pflanzaktionen und halfen dabei, die Landschaft rund um den See neu zu beleben. Auch der Pro Loco Verein organisierte entsprechende Projekte. So wurde beispielsweise für jedes neugeborene Kind ein Baum gepflanzt. Auf diese Weise entstanden kleine Hecken und Grünflächen, die den Kindern eines bestimmten Jahrgangs gewidmet waren. Damals habe ich diese Aktionen des Pro Loco Vereins begleitet und versucht, vor allem heimische Arten anzupflanzen – also jene Pflanzen, die früher tatsächlich hier vorkamen: verschiedene Weidenarten, Schneeball, Feldahorn, Weißdorn, Schlehdorn, Erlen und einige Pappeln. Das Ziel war, Schritt für Schritt den ursprünglichen Lebensraum des Sees wiederherzustellen. Erst in den 1990er-Jahren wurde schließlich ein wirklich fundiertes Projekt umgesetzt. Fachleute erarbeiteten einen detaillierten Plan, legten fest, welche Arten gepflanzt werden sollten, wie viele Exemplare jeweils notwendig waren und auf welchen Flächen sie wachsen sollten. Dabei ging es nicht nur um einzelne Pflanzungen. Man versuchte auch, ökologische Verbindungen zwischen dem See und den Wäldern der umliegenden Hügel zu schaffen, sodass wieder ein zusammenhängender Naturraum entstehen konnte.


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