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SILENTPLAY VICENZA
Die Renaturierung des Sees
Pierangelo Miola erinnert sich an die Umsetzung des Renaturierungsprojekts, das damals von den Forstdiensten koordiniert wurde.
Als Behörde und Bauleitung habe ich dieses Projekt begleitet und umgesetzt. Rückblickend war es beinahe ein historisches Projekt. Denn eine Renaturierung nur durch einfache Aufforstung wäre vergleichsweise leicht gewesen – etwas, das im klassischen Forstbereich durchaus üblich ist. Doch hier sprach das Projekt von Anfang an eine andere Sprache. Es ging darum, rund um den See unterschiedliche Ökosysteme und Lebensräume wiederherzustellen oder neu entstehen zu lassen. Ziel war es, ein vielfältiges Mosaik verschiedener Habitate zu schaffen. Eine abwechslungsreiche Landschaft bietet den Lebewesen viel mehr Möglichkeiten als eine einheitliche Fläche: den Vögeln, den Insekten, den Mikroorganismen, den Pilzen, aber auch den kleinen Säugetieren und vielen anderen Arten. Die Fläche, in der wir arbeiten konnten, war allerdings sehr begrenzt. Die Straße musste bestehen bleiben, sodass uns oft nur ein schmaler Streifen Land zur Verfügung stand – manchmal gerade fünf Meter breit, an anderen Stellen vielleicht dreißig Meter. Und dennoch versuchten wir, innerhalb dieses schmalen Korridors möglichst unterschiedliche Landschaftsabschnitte entstehen zu lassen. Dazu gehörten auch bewusst offen gelassene Bereiche – gewissermaßen kleine Fenster –, denn sonst hätte man den See irgendwann gar nicht mehr sehen können.
Außerdem gab es wertvolle Lebensräume, die keine Wälder waren: insbesondere die Schilf- und Seggen Bestände. Diese existierten teilweise bereits, wurden jedoch zusätzlich wiederhergestellt und erweitert – vor allem das Schilfgebiet. Es handelt sich um niedrige Vegetationsformen, die den Blick auf den See offenlassen und zugleich ganz eigene Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten schaffen.
Das Seggenried bildet einen Teppich aus horstbildenden Pflanzen, die typisch für Feuchtgebiete sind. Und das Schilf – ah, das Schilf hat etwas ganz Besonderes. Es ist faszinierend. Man sieht hindurch und sieht doch nicht hindurch. Man ahnt das Wasser auf der anderen Seite, ohne es ganz erkennen zu können. Dazwischen verbergen sich Vögel, die sich nur selten zeigen und deren Anwesenheit man oft eher spürt als sieht. Dann bewegt der Wind die Halme. Das Schilf beginnt zu schwingen und erzeugt seine ganz eigenen Klänge. Der Wald hingegen ist etwas völlig anderes. Er verdeckt. Bei seiner Gestaltung haben wir darauf geachtet, eine natürliche Staffelung zu schaffen: An den Rändern wachsen niedrigere Sträucher, während im Inneren die höheren Bäume stehen. So entsteht eine grüne Wand, die vieles verbirgt sich aber Gleichzeitig durch eine große Vielfalt auszeichnet.
Wenn man junge Forstpflanzen setzt, wie sie bei Aufforstungen verwendet werden, weiß man, dass das Ergebnis nicht sofort sichtbar sein wird. Man pflanzt kleine Setzlinge und muss Geduld haben. Als wir jedoch einige Jahre später zurückkehrten, um die Entwicklung der Flächen zu dokumentieren und die abschließenden Kontrollen durchzuführen, erwartete uns eine Überraschung. Nach nur vier oder fünf Jahren stand dort bereits fast ein richtiger Wald. Eigentlich war damit zu rechnen aber dennoch hatte ich angenommen, dass es wesentlich länger dauern würde. Umso erstaunter war ich über die Geschwindigkeit, mit der sich die Natur diesen Raum zurückeroberte. Innerhalb weniger Jahre war ein lebendiger Wald entstanden – voller Farben, Blüten, Früchte und Beeren. Es war wirklich beeindruckend.
Die Zukunft des Sees war schon immer schwer vorherzusagen. Ich erinnere mich, dass bereits Anfang der 2000er-Jahre in einer Ausgabe von Natura Vicentina darüber nachgedacht wurde, wie eine angemessene Pflege und zugleich eine nachhaltige Aufwertung des Sees aussehen könnte. Im Grunde war sich die Gesellschaft von Vicenza in einem Punkt weitgehend einig: Man wünschte sich eine Entwicklung, die Bildung, Kultur und Erholung miteinander verbindet – aber auf sanfte und nachhaltige Weise. Keine Motorboote, keine motorisierten Freizeitaktivitäten. Stattdessen ein Tourismus, der die Natur respektiert und gleichzeitig wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. Eine behutsame touristische Entwicklung also, die dem Ort gerecht wird. Für mich könnte genau darin auch heute noch die Zukunft des Sees liegen. Denn es gibt nach wie vor viele Herausforderungen. Die Fischfauna hat Veränderungen erfahren, ebenso die Wasserpflanzen und andere Bestandteile des Ökosystems. Vieles muss weiterhin beobachtet, gepflegt und vielleicht auch korrigiert werden. Ein weiterer Aspekt, der den Menschen vor Ort sehr am Herzen liegt, ist die Bewahrung der historischen und volkstümlichen Traditionen des Sees. Hier gab es den Fischfang, die Boote, die bäuerliche Arbeit. Es gab eine eigene Kultur und ein starkes Gefühl der Zugehörigkeit zu diesem Ort. Schon allein aus Gründen des kulturellen Erhalts wäre es wichtig, diese Werte lebendig zu halten. Sie sind Teil eines Erbes, das auch zukünftigen Generationen als kulturelle und pädagogische Inspiration dienen kann. Inzwischen hat sich zudem eine gewisse touristische Infrastruktur entwickelt. Und so könnten künftig immer mehr Besucherinnen und Besucher kommen, die genau das suchen: einen ruhigen, naturverbundenen und nachhaltigen Tourismus.
