Promoting Landscape, Accessibility and Culture for Experiential and Sustainable Tourism | ITAT-46-019 | PC Interreg Italia-Austria 2021-2027
SILENTPLAY VICENZA
Archäologische Funde
Nach Paolo Lioy haben Generationen von Forscherinnen und Forschern diesen Ort untersucht. Dank ihrer Arbeit wissen wir heute sehr viel mehr über das Leben seiner frühen Bewohnerinnen und Bewohner – ein Wissen, das sich auch bei einem Besuch des Naturhistorischen und Archäologischen Museum von Vicenza entdecken lässt. Doch wir möchten noch mehr erfahren. Deshalb fragen wir einen Archäologen, was es bedeutet, an einem so besonderen Ort wie diesem zu forschen.
Mein Name ist Cristiano Nicosia. Ich bin Archäologe am Geowissenschaftlichen Institut der Universität Padua und stamme selbst aus der Provinz Vicenza. In den Jahren 1864 und 1871 begann Paolo Lioy, der sich intensiv für die Geschichte des Vicentiner Gebiets interessierte, an Orten zu graben, die er Pascolone und Ponte sulla Debba nannte. Vor allem beim Pascolone wissen wir heute nicht mehr genau, wo sich dieser Ort befand. Die Namen der Orte haben sich im Laufe der Zeit verändert, und Lioy verzeichnete seine Fundstellen weder auf einer Karte noch auf einem Plan. Dennoch hinterließ er uns wertvolle Zeichnungen der Bodenschichten, die er in seinen Gräben beobachten konnte. In diesen Schichten erkannte er die Überreste jener berühmten Pfahlbauten.
Viele Jahre später, zu Beginn der 2000er-Jahre, wurden im Zuge eines geplanten öffentlichen Bauvorhabens, das jedoch nie verwirklicht wurde, archäologische Notgrabungen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die Abfolge der Bodenschichten erstaunlich genau jener entsprach, die bereits Lioy beschrieben hatte. Die von ihm entdeckten Pfahlbauten waren also keineswegs verschwunden. Sie lagen noch immer verborgen unter den Sedimenten am Seeufer. Im Jahr 2024 führten wir gemeinsam mit der Universität Padua Kernbohrungen durch. Dabei konnten wir dieselbe Schichtenfolge nachweisen, die Lioy mehr als anderthalb Jahrhunderte zuvor beobachtet und dokumentiert hatte. In einem unserer Bohrkerne fanden wir ein Stück Holz aus den Schichten der von Lioy beschriebenen Pfahlbausiedlung. Mithilfe der Radiokarbonmethode konnten wir dieses Holz datieren. Das Ergebnis zeigte, dass die Siedlung an diesem Abschnitt des Fimon-Sees zwischen 2300 und 2000 vor Christus errichtet oder bewohnt wurde. Damit gehört sie in die Epoche der Frühbronzezeit. Diese Zeit ist durch die Verbreitung von Pfahlbausiedlungen gekennzeichnet – nicht nur hier am Fimon-See, sondern auch beispielsweise im Gebiet des Gardasees und an vielen kleineren Seen Norditaliens. Wir wissen also, dass sich unter unseren Füßen ein archäologischer Schatz verbirgt. Ein Schatz von außergewöhnlichem Wert für unser Wissen über die Vergangenheit. Die Sedimente der Fimon-Täler bewahren einen seltenen und einzigartigen Teil unserer Geschichte, der bis heute erhalten geblieben ist.
