SILENTPLAY VICENZA

 

 

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Den See ertanzen


Die zweite Geschichte über Schönheit handelt von einer Flamencotänzerin, die zum Üben an das Seeufer kommt und ein eindrucksvolles Video gedreht hat, in dem sie auf den Überresten des Bootsanlegers tanzt.

Ja, ich habe ein kleines Brett von 70 mal 70 Zentimetern, auf das meine Füße in Größe 39 genau passen. Mit diesem Brett gehe ich an den See. Wenn ich einen Ort finde, an dem ich etwas Ruhe habe, stelle ich es auf und beginne dort meine Übungen. Die Menschen, die vorbeikommen, reagieren oft etwas verlegen. Sie schauen kurz hin und wenden dann sofort wieder den Blick ab, als würden sie sich fragen: „Habe ich das wirklich gesehen? Was macht sie denn da?“ Und ja, meiner Meinung nach sind die Beobachtenden verlegener als ich selbst. Schon immer habe ich nach Orten gesucht, die zu mir sprechen können. Beim See hatte ich sofort das Gefühl, dass er mir bei einem künstlerischen Projekt helfen könnte, an dem ich damals arbeitete. Es war ein Projekt zu einem Musikstück des baskischen Liedermachers Mikel Laboa. Ich befand mich in einer kreativen Krise. Ich fand keinen Zugang zu dieser Musik, keine Harmonie, keinen Weg, dem ich folgen konnte. Dann kam ich zum See. Als ich die Überreste des alten Anlegers sah – halb verfallen, vom Wasser gezeichnet, beinahe im Versinken begriffen –, fand ich plötzlich die Inspiration, die mir gefehlt hatte. Aus diesem Bild der Vergänglichkeit entstand schließlich mein künstlerisches Projekt. Für mich sind solche Landschaften wichtig, weil sie zu einem zweiten Zuhause werden können. Sie schenken dir einen anderen Raum, eine andere Bühne, auf der du loslassen kannst. Ich versuche, mich dafür zu öffnen, durchlässig zu werden, damit etwas durch mich hindurch treten kann. Und der See war in meiner künstlerischen Suche immer dazu fähig. Schon immer. Früher wurde am See getanzt. Genau das war für mich ein weiterer Anknüpfungspunkt. Ich dachte: ja klar, das ist es! Als Jugendliche ging ich selbst in die Diskotheken, die es hier einmal gab. Und so begann ich, über den Tanz als Ritual nachzudenken. Über den Tanz am See als eine Form von Zeremonie. Ein klangliches Ritual. Denn auch der See besitzt seine eigene Stimme. Seine eigene Musik. Oft bin ich nachts hier unterwegs gewesen und habe Geräusche aufgenommen. Den Ruf eines Vogels. Das Schlagen des Wassers gegen das Ufer. Die Bewegung der Wellen. All diese Klänge bilden eine eigene Welt. Eine Klangwelt, die mit uns in Beziehung treten kann. Wenn wir bereit sind zuzuhören, beginnt sie zu uns zu sprechen. Und dann wird sie zu Musik.


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