SILENTPLAY VICENZA

 

 

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Kunst am See


Der Fimon-See ist ein Ort, der Leidenschaften weckt. Ein Ort, der Schönheit offenbart – für diejenigen, die bereit sind, ihm zuzuhören. Die erste dieser Leidenschaften gehört Antonio – Fischer und Hüter des Sees.

Der magische Moment begann für mich mit meinem Vater. Ich saß hinten auf seinem Motom Delfino, und wir fuhren zum See. Als Kind war er für mich wie das Meer. Ich war zehn oder elf Jahre alt, als ich zum ersten Mal diese große Wasserfläche sah. Für mich war sie riesig. Und ich verliebte mich sofort in diesen Ort. Ich sagte zu meinem Vater: „Papa, bring mich bitte immer an den See!“ Und er antwortete ganz einfach: „Antonio, mein Junge, ich muss arbeiten. Ich kann dich nicht ständig zum See bringen.“ Da fragte ich: „Kann ich mit dem Fahrrad kommen?“ „Wann immer du willst“, sagte er. „Du bist schon groß. Bald wirst du ohnehin arbeiten gehen.“ Und tatsächlich fand er für mich mit dreizehn Jahren eine Stelle in einer Druckerei. Von da an kam ich nicht mehr so oft an den See wie früher. Doch während ich als Drucker arbeitete, wartete ich jede Woche sehnsüchtig auf das Ende der Arbeitswoche, um hierherzukommen. Fischen und schwimmen war mein Leben. So kenne ich diesen See nun schon seit fast siebzig Jahren. Und noch heute überrascht er mich. Eigentlich müsste man ihn längst ein Teich nennen. Aber wir Vicentiner übertreiben eben gern – deshalb nennen wir ihn weiterhin den Fimon-See. Dann war da noch die Wassernuss - Ich hatte das Glück, gewissermaßen das alte Klärwerk des Sees zu erben. Dort, wo heute mein kleines Häuschen steht – das übrigens der Gemeinde gehört und nicht mir –, befand sich früher die Kläranlage. Als Fischereiverein haben wir das Gelände übernommen. Unser Verein besteht seit dreißig Jahren und wir haben rund viertausend Arbeitsstunden investiert, um die Anlage zu reinigen und wieder sauberes Wasser zu liefern. Und ich mache bis heute weiter. - Aber zurück zur Wassernuss, sie ist inzwischen fast verschwunden. Deshalb ziehe ich sie in den Becken des ehemaligen Klärwerks wie in einem Gemüsegarten heran. Allerdings funktioniert das nicht wie bei gewöhnlichen Pflanzen. Man kann sie nicht einfach aussäen. Man muss ihr den richtigen Lebensraum schaffen. Genau das habe ich getan. In den Becken habe ich Bedingungen geschaffen, die ihrem natürlichen Habitat entsprechen. Und nun wachsen die Wassernüsse dort kräftiger und schöner als je zuvor. Ein Poet kommt allein hierher. Er fährt nicht mit dem Motorrad durch die Gegend. Er kommt zu Fuß. Und wenn man mit dem Auto kommt, dann stellt man es ab und geht den Rest des Weges zu Fuß. Viele Menschen umrunden den See, reden miteinander und gehen wieder. Sie sehen einen Baumstamm und sagen: Ein Baumstamm ist eben ein Baumstamm. Doch jeder Stamm erzählt etwas anderes. Ein Dichter sieht ihn im Schatten. Ein anderer im Sonnenlicht. Jeder erkennt etwas Eigenes darin. Ich selbst sammle die abgestorbenen Baumstämme, die ins Wasser gefallen sind. Wenn ich ihre Rinde sehe, erkenne ich oft sofort ihre Besonderheit. Ich hole sie aus dem Wasser, lasse sie trocknen – und aus ihnen entstehen meine Porträts.


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