SILENTPLAY TARVIS

 

 

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Radweg


Tarvis ist ein kleiner Ort, der sich eingebettet in einem riesigen Wald befindet. Dieser Wald reicht jedoch nicht nur bis an die Grenzen mit Österreich und Slowenien, sondern bildet eine weit größere grüne Lunge im Zentrum Europas. Wir befinden uns hier mitten in der größten staatlichen Waldfläche Italiens – fast 24.000 Hektar Wald. Sie wird von der Biodiversitäts-Einheit der Carabinieri verwaltet. Es ist ein außergewöhnlicher Ort – sowohl landschaftlich beeindruckend als auch von großem naturkundlichen und historischen Wert, denn es handelt sich um einen jahrhundertealten, ja fast tausendjährigen Wald. Seine Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1007 zurückverfolgen, als der deutsche Kaiser Heinrich II., auch „der Heilige“ genannt, diesen Wald dem Bischof von Bamberg schenkte. Bis heute wird der Wald nachhaltig forstwirtschaftlich genutzt. Das zeigt, wie der Mensch hier mit der Natur arbeitet – und dabei einen positiven Einfluss ausübt. Die Besonderheit dieses Waldes liegt auch in seiner Höhenlage: Er reicht bis fast auf 3000 Meter hinauf, dank der Gipfel der Julischen Alpen. Wenn wir nach rechts schauen, erkennen wir den höchsten Berg dieser Gegend: den Mangart.

Weibliche Stimme 2 - Wenn wir auf den Boden schauen, entdecken wir – je nach Jahreszeit – verschiedene Heil oder auch essbare Pflanzen in leuchtenden Farben. Die Farben der Blumen ziehen sofort unsere Aufmerksamkeit auf sich, doch sie haben für uns auch eine tiefere Bedeutung. Ich möchte Ihnen dazu eine kurze Weisheit der amerikanischen Ureinwohner vorlesen, die den Sinn dieser Pflanzen sehr schön beschreibt.
„Wir sprechen von unter deinen Füßen herauf zu dir, vom Wegesrand und aus verlassenen Orten. Wir sind immer hier, genau dort, wo du uns brauchst. Das ist unser Weg und unser Segen, denn auch wir sind mit dir verwandt. Immer an deiner Seite, denn auch wir sind aus Mutter Erde geboren. Was auch immer du brauchst – es gibt immer eine verwandte Pflanze, die dich heilen kann. Jede von uns ist einzigartig, genau wie du. Wir haben unterschiedliche Aufgaben im Laufe der Jahreszeiten – genau wie du. Das ist unsere Mission, die wir mit Respekt und Freude erfüllen. Jede von uns hat einen besonderen Grund zu leben – genau wie du. Am Ende sind wir dir gar nicht so unähnlich. Unser Ziel ist es, deinen Weg zu erleichtern.” Wenn uns eine Pflanze besonders auffällt, dann ist das kein Zufall. Vielleicht möchte sie uns etwas geben – vielleicht sogar ihre Hilfe. Ich kann Ihnen daher nur empfehlen: Machen Sie ein Foto und gehen Sie der Sache nach. Recherchieren Sie ein wenig – und oft werden Sie eine Verbindung zwischen sich und dieser Pflanze entdecken. Heute leben wir nicht mehr so eng mit der Natur verbunden und vergessen oft, dass wir mit ihr in Beziehung stehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich diese Pflanzen sogar übersehen fühlen – als wären sie unsichtbar oder nutzlos geworden. Doch wenn wir ihnen Aufmerksamkeit schenken, tun wir nicht nur uns selbst etwas Gutes, sondern geben auch der Natur den Wert zurück, den sie verdient. Die Natur ist da, um uns zu helfen. Deshalb ist das in sich gehen in der Natur so wichtig. Wer offen ist für ihre Impulse, wird dort Antworten finden. Ich selbst habe schon als Kind damit begonnen – doch es ist etwas, das jeder lernen kann. Gehen Sie in den Wald. Horchen Sie in sich hinein: Was beschäftigt Sie gerade? Verbringen Sie etwas Zeit in der Natur – und stellen Sie sich dieselbe Frage noch einmal, wenn Sie wieder hinausgehen, sei es aus dem Wald, von einer blühenden Wiese, aus einem Garten oder einem Park. Vielleicht haben Sie dann schon eine Antwort mehr. Denn manchmal kehren wir aus der Natur mit einer Lösung für unsere Probleme zurück.

All dieses Wissen tragen wir eigentlich bereits in uns. Das Leben ist eine sinnliche Erfahrung – eine ständige Interaktion mit unserer Umgebung. Unsere Sinne sind Brücken, die uns mit dem verbinden, was uns umgibt. Auch wenn der Radweg auf Asphalt verläuft, kann man hier zu einem langsameren, bewussteren Rhythmus finden. Aus einer einfachen Strecke wird so ein entspannter Spaziergang in der Natur. Sie sind an der frischen Luft, im direkten Kontakt mit dem natürlichen Licht. Das Licht fällt durch die Bäume, verändert sich mit jeder Bewegung. Zu jeder Jahreszeit sind Sie vom Grün umgeben – einer Farbe, die eine beruhigende und fast therapeutische Wirkung hat. Sie haben Raum um sich, und Ihr Blick kann sowohl in die Nähe als auch in die Ferne schweifen. Deshalb lade ich Sie ein, Ihren Weg ruhig und entspannt fortzusetzen – die Schultern zu lockern und einfach diesen Moment wahrzunehmen.
Genau dieses freie, fast ungeordnete Schwingen beim Gehen – wenn man kein festes Ziel und keinen Zeitdruck hat. Wenn man einfach geht, um zu gehen. Um das zu genießen, was man gerade erlebt. Vielleicht nähern Sie sich dabei einer Wiese, verlassen – wenn möglich den asphaltierten Weg und gehen ein Stück auf weichem Boden. Beobachten Sie das Gras, die Blumen, die Pflanzen – von den Kleinsten bis hinauf zu den Baumwipfeln. Und wenn Sie möchten, treten Sie näher an einen Baum heran. Berühren Sie seine Rinde. Atmen Sie seinen Duft ein. Sie können ihn auch umarmen. Eine Umarmung ist an sich schon ein Gefühl von Geborgenheit – und zugleich treten Sie in Kontakt mit einem Lebewesen, das eine tiefe Sensibilität und eine stille Weisheit in sich trägt. Ein Baum ist fest in der Erde verwurzelt und zugleich dem Licht entgegen gewandt. Und genau darin liegt seine Kraft – eine Kraft, die Ruhe und Gleichgewicht vermittelt.


1. Benvenuti al Museo della macchina da scrivere!