SILENTPLAY TARVIS

 

 

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Bahnhof


Im Jahr 1914 war Tarvis ein bedeutender Ort. Damals gab es vermutlich sogar mehr Hotels als heute. Vor allem aber verfügte der Ort über eine wichtige Eisenbahnverbindung: Die Bahnlinie kam aus Wien und verband die österreichische Hauptstadt mit Venedig und Triest, mit einer Abzweigung in Richtung Ljubljana. Auch während des Ersten Weltkriegs blieb Tarvis ein zentraler Verkehrsknotenpunkt. Über die Eisenbahn wurden wichtige Versorgungen transportiert – nicht nur für die Region um Tarvis, sondern auch für das obere Isonzo Gebiet. Im Zusammenhang mit der Offensive von Caporetto trafen Tausende von Soldaten am Bahnhof von Tarvis ein. Der Ort wurde damit zu einem strategisch wichtigen Punkt, um Truppen und Material möglichst nahe an die Front zu bringen. In Tarvis gab es sogar einen gepanzerten Zug, der sich von hier bis in die Gegend von Ugovizza bewegte, wo sich das Fort Hensel befindet. Weiter konnte er nicht fahren, da die Brücken zerstört worden waren. Doch er brachte die Soldaten bis fast an die italienischen Linien heran.

Wir sind nun am Bahnhof von Tarvis angekommen. Bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts war er für uns vor allem für den Wintertourismus von großer Bedeutung. An Sonntagen fuhr der sogenannte „weiße Zug“, der zahlreiche Skifahrer hierher brachte und die Pisten von Tarvis füllte. Später wurde der Zugverkehr eingestellt, und man entschied sich, die Strecke in einen Radweg umzuwandeln.
Im Sommer kommt es häufig vor, dass ich diesen Radweg bis ans Meer fahre. Von den Bergen bis ans Meer zu fahren ist etwas ganz Besonderes. Normalerweise schaffen wir diese Strecke in drei Etappen. Sie ist wirklich wunderschön. Persönlich gefällt mir der Rückweg sogar noch besser, wenn ich ihn denn mit dem Fahrrad fahre, beim Aufstieg vom Meer zurück in die Berge verändert sich die Landschaft, und auch die Perspektive ist eine völlig andere. Das E-Bike hilft uns sehr bei unserer Arbeit. Es hat viel dazu beigetragen, dass deutlich mehr Menschen diese Art von Tourismus nutzen. Dank der elektrischen Unterstützung können auch weniger trainierte Personen anspruchsvollere Strecken bewältigen. Das ist eine große Hilfe für alle, die im Tourismus arbeiten sowohl für Reiseleiter als auch für Fahrradverleiher.
Sehr interessant während der Fahrradtour sind auch die Geräusche, die uns begleiten. Besonders gerne nehme ich neben den Geräuschen auch die Gerüche wahr. Während der Abfahrt mit dem Fahrrad kann ich die verschiedenen Düfte und Essenzen unterscheiden, die einem begegnen. Wenn man von den Bergen bis ans Meer fährt, trifft man tatsächlich auf eine große Vielfalt an besonderen Gerüchen – und genau das macht dieses Erlebnis so faszinierend. Auch im Winter begleite ich Gruppen mit dem Fahrrad. Im Winter ist das Fahrrad ein ganz besonderes Fortbewegungsmittel. Die Geräusche der winterlichen Landschaft auf dem Fahrrad sind wirklich einzigartig – eine ganz eigene Atmosphäre, die man nur in dieser Jahreszeit erleben kann. Denn außer unserem eigenen Atem hören wir im Winter kaum andere Geräusche. Der Schnee dämpft und verschluckt alles, er legt eine stille Schicht über die Landschaft. Das Einzige, was man manchmal wahrnehmen kann, ist vielleicht ein Tier, das uns nicht gehört hat. So entstehen besondere Begegnungen – ruhig, natürlich und angenehm – mit den Wildtieren des Waldes, die uns auf unserem Weg begleiten.
Der Radweg ermöglicht es uns auch, die umliegenden Regionen kennenzulernen. Von Tarvis aus können wir in Richtung Österreich fahren, in Richtung Meer oder auch nach Slowenien. Für uns ist dieses Gebiet etwas ganz Besonderes, denn an nur einem einzigen Tag kann man drei Länder durchqueren – Grenzen, die früher eigentlich nur auf dem Papier existierten. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich daran, dass ich viele Freunde sowohl in Österreich als auch in Slowenien hatte, obwohl eine Grenze dazwischen lag. Doch hier in Tarvis habe ich diese Grenze nie wirklich als trennend empfunden. Sie war einfach Teil unseres Alltags – man musste halt nur den Ausweis oder den Pass vorzeigen. Die Möglichkeit, von hier aus nach Slowenien zu fahren, ist besonders faszinierend: Sie führt uns zu den wunderschönen Weißenfelser Seen (Laghi di Fusine) und – für die Geübten – sogar bis nach Bled. Nachdem ich Ihnen nun einen Einblick in diesen Radweg gegeben habe, möchte ich Sie zu einem kleinen Experiment einladen: Gehen Sie ein Stück zu Fuß – und versuchen Sie, drei verschiedene Düfte wahrzunehmen, die Ihnen auf ihrem kleinen Spaziergang begegnen.


1. Benvenuti al Museo della macchina da scrivere!