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SILENTPLAY TARVIS
Kleine Kirche und Haus Rechbacher
Der Name Tarvisio Basso stammt vom österreichischen „Unter Tarvis“, während der obere Teil als „Ober Tarvis“ bezeichnet wurde. Tja, wie war das einst? Die vier Rechbach Brüder ließen in Tarvisio Basso eine Kapelle errichten, die bis heute sehr sehenswert ist – besonders ihr Inneres ist bemerkenswert schön. Dann auch Haus Rechbach, das Haus der Zöllner, die Familie errichtete hier kein großes Palais wie andere wohlhabende Familien, sondern begnügte sich mit zwei bürgerlichen Wohnhäusern, was für die damalige Zeit dennoch beachtlich war. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde im Jahr 1775 renoviert, bevor es später in Privatbesitz überging. Es ist wichtig zu wissen, dass viele Häuser in der Region einen sogenannten Vulgonamen trugen – also einen Namen, der sich auf die Familie, den Beruf oder eine besondere Eigenschaft bezog. Das Zöllnerhaus war direkt an die Zollstation angeschlossen und ursprünglich durch ein großes Eingangstor versperrt. Im Inneren befand sich sogar eine eigene Hauskapelle, und die Familie verfügte sicher auch über einen eigenen Kaplan. Die Rechbachs waren keine Adelsfamilie, befanden sich jedoch auf dem Weg in den Adelsstand. Viele Familien, die mit wichtigen Funktionen – etwa als Zollbeamte, Händler oder Unternehmer – in diese Region kamen, nutzten das kleine Tal als Durchgangsort in Richtung der germanischen Länder. Dabei versuchten sie, sich über Generationen hinweg zu „germanisieren“ und schrittweise gesellschaftlich aufzusteigen. Dieser Prozess konnte mit unter sogar ein Jahrhundert dauern. Sobald sie schließlich den höchsten gesellschaftlichen Rang erreicht hatten, verließen viele Familien die Region wieder. Auch die Familie Rechbach zog im Jahr 1808 fort. Sie haben der Kirche einiges hinterlassen. So kann man beispielsweise in der Pfarrkirche, in der Sakristei, einen großen, wunderschönen Schrank aus dem 18. oder 19. Jahrhundert bewundern. Zudem hinterließen sie Schenkungen. Auf der linken Seite, wenn man die Kirche betritt, befindet sich auch das Wappen der Rechbachs. Was wir über die Häuser und ihre Bewohner hier wissen, verdanken wir nicht Bamberg, dem katholischen Herrschaftssitz, der 800 km von hier entfernt lag, sondern Maria Theresia. Maria Theresia von Österreich setzte 1847 eine Kommission ein, die sich „Representatio regia in cameralibus et politicis“ nannte und deren Ergebnisse in Urkunden festgehalten wurden, die als Berichtigungsurkunden bezeichnet werden.
Diese Kommission hatte die Aufgabe, das gesamte Tal systematisch zu erfassen. Erfasst wurde alles, was vorhanden war: Häuser, Felder, Wälder, bergbauliche Tätigkeiten sowie der Handel. Auf Grundlage dieser Berichtigungsurkunden stützen wir heute unser Wissen über die Herkunft und Entwicklung der Gebäude – sowohl der öffentlichen als auch der privaten. Und das gilt nicht nur für Tarvis, sondern auch für die Orte Malborghetto und Fusine.
Wir befinden uns hier in der Via Dante. Ausgehend von der kleinen Kirche, die wir bereits kennengelernt haben, gehen wir nun weiter durch eine Straße, die von dicht aneinandergereihten Häusern geprägt ist. Diese Gebäude waren einst Handwerkerhäuser – also Wohn- und Arbeitsorte zugleich. Hier befanden sich zahlreiche handwerkliche Tätigkeiten: Ein Hersteller von Töpfen aus Ton und Graphit, ein Produzent von Ofenkacheln, ein Schmied, der Schaufeln, Spaten und viele andere interessante Metallgegenstände fertigte – Produkte, die sogar von weit her gekauft wurden. Es gab auch einen Backofen, in dem der traditionelle Kugelhof gebacken wurde, sowie eine Gerberei zur Verarbeitung von Tierhäuten, der Tiere aus dem Wald. Darüber hinaus fanden sich hier eine Damenschneiderei, ein öffentlicher Stall, ein Herrenfriseur und sogar eine Schuhmacherwerkstatt. Und wir sind noch nicht am Ende angelangt, ein Stück weiter, entlang der heutigen Via Vittorio Veneto, gab es noch viele weitere: einen Hutmacher, eine Modistin, ein Geschäft für Porzellan und Kronleuchter, einen buckligen Schneider, sowie einen Schornsteinfeger – eine damals äußerst wichtige Figur. Außerdem gab es einen Wagenbauer für landwirtschaftliche Fahrzeuge und einen Sattler. In der österreichisch-ungarischen Kultur spielte die Figur des Schornsteinfegers eine besonders wichtige Rolle. Er hatte die Aufgabe, die heute die Heizungsinstallateure übernehmen. Kein Haus durfte als bewohnbar erklärt werden, wenn der Schornsteinfeger dies nicht bestätigt hatte. Dieser Schornsteinfeger trug einen Anzug aus Leder und eine Ledermütze. Er war mit Besen, einer Kehrkugel, die er den Schornstein hinunterwarf, um die Ränder freizukratzen, und ähnlichen Werkzeugen ausgestattet. Er war barfuß, in seinen Holzschuhen, und besonders bemerkenswert war, dass er, obwohl er alle Dörfer des Val Canale zu Fuß bereiste und dafür viel Zeit verwand, niemals ein Haus betrat. Er schlief in den Scheunen und aß kalte Speisen, um keine Unordnung zu hinterlassen. Die Einheimischen schickten ihm oft ihre Kinder als Lehrlinge, in der Hoffnung, dass sie ihrerseits Schornsteinfeger würden, denn es war ein gesellschaftlich angesehener und wichtiger Beruf.
