SILENTPLAY TARVIS

 

 

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Pirker


Das Haus, das Sie hier sehen, ist mein Familienhaus. Es befindet sich seit den 1950er-Jahren in unserem Besitz, doch schon früher, etwa um 1914, begann mein Großvater hier seine Tätigkeit als Uhrmachermeister. Mein Großvater wurde 1882 in der Gegend von Cave del Predil geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren begann er, durch verschiedene Werkstätten des damaligen Kaiserreichs zu reisen – von Hermagor über Sarajevo, Gorizia und Graz bis nach Wien. Dort wurde er schließlich – auch wenn es damals vielleicht noch keinen offiziellen Abschluss im heutigen Sinne gab – als Uhrmachermeister anerkannt. So konnte er 1914 nach Tarvis zurückkehren und hier seine eigene Werkstatt eröffnen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Unternehmen weiter und nahm vor allem in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einen stärker kommerziellen Charakter an. Seit den 1990er-Jahren liegt es nun in meinen Händen und ist wieder zu einem handwerklich geprägten Betrieb geworden.
Die Restaurierung eines so alten Hauses – dessen ältester Teil bereits aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt – war eine besonders spannende Entdeckungsreise. Früher wurden Häuser vermutlich schrittweise erweitert, Raum für Raum. Während der Arbeiten entdeckten wir in den Wänden Spuren alter Türen, die zugemauert worden waren, oder Fenster, die einst von einem Raum in den anderen führten. Das zeigt, wie sich diese Gebäude im Laufe der Zeit entwickelt haben. Die verwendeten Materialien stammten damals direkt aus der Umgebung: Steine aus dem Fluss, Holz und sogar Bambusrohre, die den Wänden eine gewisse Elastizität verliehen –so eine Art früher Erdbebenschutz. Auch das Freilegen der Mauern und das Entfernen des Putzes wurde so zu einer Reise in die Vergangenheit. Die Geräusche, die dieses Haus im Laufe der Zeit begleitet haben, waren vor allem die Klänge der Werkzeuge, mit denen gearbeitet wurde. In unserer Familie gab es jedoch auch eine starke musikalische Tradition. So kann man sich gut vorstellen, dass hier auch Violinen Klänge zu hören waren – mein Großvater war ein guter Geiger. Ich hatte das Glück, ihn noch kennenzulernen, und seine Geschichten waren wirklich faszinierend. Wenn ich heute nach Wien reise, stelle ich mir oft vor, wie mein Großvater damals dort stand – denn er gehörte zu denen, die den Hut zogen, wenn der Kaiser in seiner Kutsche vorbeifuhr und ihn ehrfürchtig grüßten. Tarvis bewahrt bis heute einen Teil seiner österreichisch-ungarischen Seele und wirkt fast wie ein kosmopolitischer Ort. Schon in den 1970er-Jahren war es spannend, einen Blick in die Telefonbücher zu werfen: Dort fand man eine erstaunliche Vielfalt an Nachnamen. Das hängt auch mit der Zuwanderung zusammen – etwa durch das Bergwerk von Cave del Predil oder die Industrie von Weißenfels in Fusine. So kamen viele sogenannte „Zugezogene“ hierher, und die Namen reichten von Sizilien bis Sardinien, von Österreich bis nach Slowenien. Ein solches Nebeneinander unterschiedlicher Herkunft war damals eher typisch für große Städte – und doch war es hier in Tarvis ganz selbstverständlich. Bis in die 1950er-Jahre hinein war Tarvisio Basso auch baulich deutlich von Tarvisio Alto getrennt. Es handelte sich um zwei klar voneinander getrennte Ortsteile. Das erklärt vermutlich auch das Vorhandensein von zwei Kirchen, und noch heute wirkt Tarvisio Basso – besonders von der Via Roma aus, der Hauptstraße – wie ein eigener kleiner Ort. Auch im Alltag spürt man hier ein starkes nachbarschaftliches Miteinander, ähnlich wie in einem Dorf innerhalb einer etwas größeren Stadt. Das historische Tarvisio Basso endete ungefähr auf der Höhe eines Kreuzes, das sich heute gegenüber dem Marktplatz befindet. Dort gab es früher eine freie Fläche von etwa fünfzig bis hundert Metern. Abgesehen von wenigen Häusern bestand der heutige Marktbereich größtenteils aus Wiesen. Diese offene Fläche bildete damals die natürliche Trennung zwischen Tarvisio Basso und Tarvisio Alto.


1. Benvenuti al Museo della macchina da scrivere!