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SILENTPLAY TARVIS
Vom Markt bis zum Buonarrivo
Ich habe als Barmann in meiner Heimatstadt Acerra gearbeitet. Schon mit sieben Jahren stand ich hinter dem Tresen – von halb sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends. Während ich aufwuchs, hatte ich immer den Wunsch, wegzugehen. Eines Tages hörte ich, dass mein Cousin in Tarvis ein Haus gekauft hatte. Er rief mich an – und so bin ich von Neapel aus hierhergekommen. Am Anfang war es nicht leicht. Tarvis erschien mir grau, fast fremd. Die Soldaten in ihren Uniformen, alle gleich gekleidet – für jemanden, der aus dem Süden kam, war das ein wenig bedrückend. Aber ich begann bei der Familie Amoroso zu arbeiten, und dort fühlte man sich wie in einer Familie. Das half sehr. Am Anfang gab es nicht viel Arbeit, vielleicht dreißig oder vierzig Gäste am Tag. Doch in den 1980er-Jahren änderte sich alles: Mit den Militärs kam der Aufschwung. Abends füllten sich die Lokale, und wenn wir wussten, dass die Soldaten von Übungen zurückkamen, bereiteten wir uns gut vor – denn wir wussten, dass sie großen Hunger hatten. In solchen Wochen lief das Geschäft besonders gut. Man lebte irgendwie gemeinsam mit ihnen, freundete sich mit den Carabinieri und Finanzbeamten an – viele von ihnen kamen, genau wie wir, aus dem Süden. So entstand mit der Zeit ein echtes Gemeinschaftsgefühl.
Hier kamen alle her. Und manchmal konnte ich sehen, dass sie litten, dass ihnen diese Zeit schwerfiel. Dann sagte ich zu ihnen: „Schau, mach deine fünf, sechs, sieben Jahre – und dann gehst du wieder. "Mach dir keine Sorgen.“ Es waren einfache Worte, aber sie konnten ein wenig Mut geben.
In dieser Gegend war die Küche früher stark von Fleischgerichten geprägt: Pasta mit Ragù – hier nennt man sie Pastasciutta –, Lasagne oder Schweinekoteletts. Und wir, die wir aus dem Süden kommen – was brachten wir mit? Fisch ! So haben wir begonnen, Fischgerichte einzuführen: frittierter Fisch, Miesmuscheln, Venusmuscheln und viele andere Spezialitäten. Wir hatten große Auslagen mit frischem Fisch, und die Gäste konnten direkt auswählen: „Davon hätte ich gern etwas, und davon auch.“ Damals waren wir das einzige Lokal in Tarvis, das so etwas angeboten hat. Heute hingegen findet man Fischgerichte fast überall.
Ein typisches Gericht, das wir zubereiten, ist ein Spaghetti ai frutti di mare: Man bereitet eine Basis aus Olivenöl, Knoblauch, kleinen Tomaten, Petersilie und etwas Pfeffer zu. Die Spaghetti werden darin kurz angeschwenkt, dann kommen die Meeresfrüchte dazu. Zum Schluss noch ein paar frische Tomaten, Petersilie, Salz und Pfeffer zum Abschmecken – und schon ist das Gericht fertig. Bei uns nennt man das „Spaghetti sciuè sciuè“ – Ein neapolitanischer Ausdruck, der so viel bedeutet wie „schnell und einfach zubereitet“.
