SILENTPLAY TARVIS

 

 

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Buonarrivo


Meine Familie gehört zu den Gastronomen von Tarvis. Unser Restaurant wurde nicht lange nach dem Krieg eröffnet, im Jahr 1956. Wir sind gemeinsam mit Tarvis gewachsen – einem Ort, der seit jeher ein Treffpunkt verschiedener Kulturen, Menschen und Traditionen ist. Bis 1918 gehörten wir zur österreichisch-ungarischen Monarchie, und viele Grundlagen unserer Kultur – auch der kulinarischen – stammen aus dieser Zeit und sind fest verbunden mit der Lebensweise in den Bergen. Deshalb spielt in der traditionellen Küche vor allem das Schwein eine zentrale Rolle. Es ist ein Tier, das relativ einfach zu halten ist, und man nutzt jedes Stück. Zudem lässt es sich gut konservieren – durch Salzen und Räuchern, den klassischen Methoden früherer Zeiten. Wenn wir dann an die Landwirtschaft denken, kommen uns sofort Kartoffeln und Bohnen in den Sinn, aber auch Obst wie Äpfel und Birnen. Eine besondere lokale Sorte ist die Klotzenbirne. Dann gibt es die bekannten Zwetschgen – vergleichbar mit der Pflaumen-Sorte Stanley –, die man zum Beispiel für die typischen Knödel verwendet. Und natürlich Mais, aus dem die Polenta hergestellt wird. Wenn wir die Küche des Kanaltals mit jener Kärntens, Sloweniens oder der Karnischen Region vergleichen, entdecken wir viele Gemeinsamkeiten und Verbindungen. Eine der häufigsten Fragen von Besuchern lautet jedoch: „Warum gibt es in Tarvis so viel Fisch?“ Die Antwort ist ganz einfach:
Über viele Jahre hinweg war Tarvis die Hochburg Italiens für Menschen aus dem Osten und aus Nordeuropa –die nicht nur für den Urlaub, sondern vor allem zum Einkaufen hier her kamen. Produkte wie Schweinefleisch oder Kartoffeln kannten sie bereits aus ihrer eigenen Küche.
Viele Leute überquerten die Grenze auf der Suche nach Pizza, Spaghetti und Calamari. Und genau das – ganz im Sinne guter Kaufleute – wurde dann auch zum Angebot, das sich hier entwickelte. Dazu kommt, dass es in Tarvis eine starke Gemeinschaft von Neapolitanern gibt, vor allem durch den Markt, aber auch generell viele Menschen aus dem Süden Italiens hier leben. Lange Zeit haben sich hier Menschen angesiedelt – durch die Kasernen, durch die Zollstationen – und ihre Familien sind geblieben. So entstand nach und nach eine echte kulinarische Verschmelzung. Und genau deshalb kann es hier passieren, dass man ganz unterschiedliche Gerichte nebeneinander findet: frittierte Pizza oder Ragù nach neapolitanischer Art – aber auch Frico, ein typisches Gericht der friulanischen Tradition, Zwetschgenknödel oder Gulasch, das stark von der mitteleuropäischen Küche geprägt ist. Diese Vielfalt spiegelt die Geschichte und die kulturelle Identität von Tarvis auf ganz besondere Weise wider.
Einen entscheidenden Wendepunkt für die lokale Küche stellte die große Arbeit des Konsortiums dar, insbesondere durch die Initiative Ein Prosit. Durch dieses Projekt wurden kulinarische Exzellenzen in das Tal gebracht, die unsere Sicht auf die Küche nachhaltig verändert haben. Zahlreiche Schulungen und Weiterbildungen haben dazu beigetragen, neue Perspektiven zu eröffnen. So konnten wir uns Schritt für Schritt von der traditionellen „Hausmannskost“ weiterentwickeln und den Übergang zu einer modernen, professionellen Gastronomie vollziehen.


1. Benvenuti al Museo della macchina da scrivere!