SILENTPLAY VICENZA

 

 

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Eindrücke vom See


Was siehst du um dich herum? Wie weit ist der Tag schon fortgeschritten? Die Atmosphäre am See verändert sich im Laufe der verschiedenen Tages- und Nachtstunden und jeder Augenblick offenbart eine andere Seite dieser Landschaft.

Weibliche Stimme - Oberhalb des Sees besitzt ein Freund von mir Weinberge. Zwei Jahre hintereinander habe ich dort während der Weinlese mitgeholfen. So habe ich den See von oben kennengelernt, aus einer Perspektive, die ich vorher noch nie erlebt hatte. Von den Reben aus blickt man direkt auf das Wasser hinunter, und dort ist der See mit all seinen Gerüchen ganz nah: der Duft des Wassers, die Feuchtigkeit der Morgenluft. Am stärksten in Erinnerung geblieben sind mir die Augustmorgen. So gegen fünf oder sechs Uhr früh liegt oft dichter Nebel über allem. Dann kündigt sich bereits das Ende des Sommers an, als würde die kältere Jahreszeit langsam näherkommen. Bei solchem Wetter scheint die Zeit langsamer zu werden. Fast wirkt alles unbeweglich – als würde der See für einen Augenblick stillstehen.
In einer besonderen Phase meines Lebens, als ich schwanger war, ging ich oft an schönen Orten spazieren. So kam ich eines Tages an den Fimon-See. Es war später Nachmittag, das Licht begann bereits schwächer zu werden. Ich beschloss, den gesamten Rundweg um den See zu gehen, ohne genau zu wissen, wie lange die Strecke dauern würde. Während ich weiterging, verwandelte sich das Tageslicht allmählich in eine weiche Dämmerung. Mit der Dunkelheit veränderten sich auch die Geräusche der Natur. Ich befand mich auf jener Seite des Sees, an der es nur die Straße und einige wenige Häuser gibt. Dort bemerkte ich deutlich, wie sich die Geräuschkulisse veränderte. Vor allem der Klang des Sees selbst schien anders zu werden – gedämpfter, leiser, als wäre alles von einer weichen Hülle umgeben. Das machte mir zunächst ein wenig Angst. Ich wusste nicht, ob es besser wäre umzukehren oder den Weg fortzusetzen. Doch schließlich siegten die Neugier und auch ein wenig die Aufregung, und ich ging weiter. Mitten in der Dunkelheit orientierte ich mich an den wenigen Lichtern der Häuser. In der Ferne hörte ich gelegentlich einen Hund bellen. Alles schien sich im Spiegel des Sees zu sammeln und von ihm umfangen zu werden. Als ich schließlich das Ende des Weges erreichte und die hölzernen Stege und Konstruktionen auftauchten, die den Rundweg quasi abschliessen, war ich allerdings doch erleichtert. Am Ende hatte ich das Gefühl, den See in seiner ganzen Wirklichkeit erlebt zu haben. Als hätte ich ihn wirklich als Ganzes wahrgenommen.


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