SILENTPLAY VICENZA

 

 

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Gemeinschaft


Am Ende unseres Weges kehren wir nun zurück in Richtung Dorf – zu den Menschen, die hier leben, und zu ihrer Gemeinschaft.

Es ist ein kleines Dorf. Und doch ist es reich – reich an Leidenschaft, an Kultur und an gegenseitiger Solidarität. Man begegnet all dem auf ganz unterschiedliche Weise. Zum Beispiel, wenn man durch die kleinen Straßen des Dorfes spaziert und Irma trifft – eine ältere Dame, die oft mit ihren Freundinnen unterwegs ist. Heute vielleicht nicht mehr so häufig wie früher, aber vor einigen Jahren standen sie noch im Morgengrauen auf, sammelten Kräuter, deren Geheimnisse nur sie kannten, und bereiteten daraus Hustensaft für ihre Enkelkinder zu. Sie konnten aus allem etwas machen. Diese Frauen treffen sich zum Kartenspielen, sie unterstützen einander und kümmern sich umeinander. Wenn eine von ihnen krank wird oder Hilfe braucht, kommt es vor, dass eine andere für Wochen oder sogar Monate bei ihr einzieht. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus echter Zuneigung. Eine von ihnen war Nonna Silvana. Sie war gewissermaßen die Großmutter des ganzen Dorfes. Sie kümmerte sich um ihre Enkelkinder und auch um meine Kinder. Sie brachte den Kindern das Nähen bei und viele andere Dinge. Später erfuhren wir, dass sie auch Menschen in schwierigen Lebenssituationen bei sich aufnahm oder selbst zu ihnen zog, um ihnen beizustehen. Sie war ein außergewöhnlich großzügiger Mensch. Und dann sind da die Kinder. Davon gibt es inzwischen wieder viele. Manche Familien sind zurückgekehrt und wohnen heute in den Häusern ihrer Großeltern oder haben die alten Familienhäuser übernommen. So ziehen wieder zahlreiche Kinder gemeinsam durchs Dorf. Meist läuft irgendwo ein Vater hinter ihnen her und versucht, den Überblick zu behalten. Es sind lebhafte, manchmal sogar ein wenig wilde Kinder. Aber sie sind glücklich. Sie streifen durch die Wälder, erkunden ihre Umgebung und wachsen mit der Natur auf. Dann gibt es die Jugendlichen. Sie gehen angeln, fahren mit dem Boot hinaus, helfen ihren Eltern beim Holzmachen oder bei der Arbeit im Gemüsegarten. Und sie tun das nicht widerwillig. Sie interessieren sich für den Ort, an dem sie leben. Sie suchen Fossilien, sammeln Kastanien und kennen die versteckten Plätze rund um den See. Sie sind junge Menschen, die mit ihrem Dorf und ihrem See verbunden sind. Und schließlich gibt es viele Erwachsene, die sich mit großem Engagement für diesen Ort einsetzen. Da ist Antonio, der einen großen Teil seines Lebens dem Schutz des Sees gewidmet hat. Da ist Riccardo, der sich heute dafür einsetzt, dass die Kröten ihre Wanderungen sicher überstehen. Da ist Giovanni, der jeden Tag hinausgeht, um den See zu fotografieren. Martino, der trotz seines Studiums beschlossen hat, als Schreiner zu arbeiten. Oder Marco, der die Felder seiner Familie auf nachhaltige Weise bewirtschaftet. Viele Menschen leben hier am See, kennen ihn genau und möchten ihn bewahren. Wir haben sogar eine kleine Arbeitsgruppe, wie wir sie nennen. Dort treffen wir uns regelmäßig, tauschen Informationen aus und versuchen zu verstehen, welche Pläne andere für unseren See haben. Und wenn es nötig ist, versuchen wir, unsere Stimme hörbar zu machen. Ach ja – und dann gibt es noch das Mittsommer Abendessen. Irgendwann haben wir beschlossen, unser eigenes kleines Dorffest zu organisieren. Nichts Großes, nichts Offizielles. Ein Fest von uns für uns. Dann werden die Straßen des Dorfes gesperrt, Tische und Bänke werden aufgestellt, und die Gemeinschaft kommt zusammen. Dann backt die Familie Nicola, Pizza für alle. Jeder bringt etwas mit, wir hängen Lichterketten auf, sitzen zusammen und manchmal feiern wir bis zum Morgengrauen. Es sind einfache Momente, aber sie bedeuten uns viel. Gleichzeitig fühlen wir uns an den Wochenenden manchmal auch ein wenig überrollt. Dann bleiben wir oft zu Hause, schließen die Fenster und versuchen, mit dem ständigen Strom von Motorrädern, Autos und Besuchern zurechtzukommen. Das Schwierige ist vor allem, dass wir den Ort, an dem wir leben, in diesen Momenten selbst kaum noch nutzen können. Als meine Kinder noch klein waren, hätte ich sie an einem Samstag oder Sonntag niemals allein mit dem Fahrrad losfahren lassen. Dafür ist der Verkehr inzwischen einfach zu dicht geworden. Eigentlich würden wir uns wünschen, den See auch an den Wochenenden leben zu können. Vielleicht gäbe es Möglichkeiten, bestimmte Straßen zeitweise zu sperren oder andere Lösungen zu finden. Darüber müsste man nachdenken. Der richtige Weg, den See zu betrachten, besteht für mich darin, sich einen Moment lang in die Lage der Tiere und Pflanzen zu versetzen, die hier leben. Und dafür braucht es vor allem eines: Stille. Das wäre die angemessenste Art, diesem Ort zu begegnen. Wir sollten uns fragen, wo wir Räume schaffen können, die wirklich den eigentlichen Bewohnern des Sees gehören – den Vögeln, den Amphibien und auch den Menschen, die hier leben. Und daneben könnte es Räume geben, die Besucherinnen und Besucher nutzen können, allerdings auf eine Weise, die respektvoll bleibt und den besonderen Charakter dieses Ortes achtet. Man muss auch akzeptieren, dass der See sich verändert. Vielleicht wird er eines Tages tatsächlich immer mehr zu einem Sumpfgebiet werden. Doch aus ökologischer Sicht wäre das keineswegs eine Katastrophe. Für die Natur ist ein solcher Wandel nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil.


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