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SILENTPLAY VICENZA
Die Anlegestelle
Die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlungen rund um den See waren ganz besondere Bauern. Mal arbeiteten sie mit der Hacke auf den Feldern, mal mit dem Ruder auf dem Wasser. Claudio Dal Lago hat einen großen Teil seines Lebens auf dem See verbracht. Er betrieb die Anlegestelle, an der man Boote mieten konnte – für eine Fahrt allein, mit der Familie oder gemeinsam mit Freunden.
Ich bin Claudio Dal Lago, der Sohn von Cesare Dal Lago. Mein Vater war schon vor dem Krieg Bootsführer. Er liebte den Fimon-See über alles. Im Jahr 1948 pachtete er von der ENAL, der Staatlichen Fürsorgeeinrichtung für Arbeiter, die Anlegestelle, und von da an führten wir den Betrieb bis 1976 weiter. Am Anfang waren die Boote vom Krieg gezeichnet und in schlechtem Zustand. Dann begann mein Vater, selbst einige Boote zu bauen, und nach und nach ging es wieder aufwärts. 1954 hatten wir bereits etwa fünfzehn Boote. Später kam dann auch die Musik dazu. Sonntags gab es an der Anlegestelle einen Kiosk mit einer Tanzfläche. Dann wurde es dort ziemlich lebhaft. In dieser Zeit nahmen wir als Bootsleute auch an Ruder Wettbewerben teil. Anfang der 1970er-Jahre bauten wir neue Boote aus wasserfestem Sperrholz. Damit arbeiteten wir noch fünf oder sechs Jahre weiter, bis wir 1976 schließen mussten. Die Einrichtung der ENAL wurde aufgelöst, und damit endete auch unsere Tätigkeit an der Anlegestelle. In all den Jahren gab es leider auch vier Ertrunkene. Es waren immer Unglücksfälle, und bis heute weiß niemand genau, wie es dazu gekommen ist. Später arbeitete ich dann als Tischler. Vor etwa fünfzehn Jahren haben wir noch einmal ein Boot gebaut. An vier folgenden Sonntagen haben wir den Bau öffentlich vorgeführt. Wir arbeiteten direkt an der Uferstraße, gegenüber den Häusern. Heute bin ich 76 Jahre alt. Inzwischen fahre ich nicht einmal mehr mit dem Boot hinaus. Es macht mich traurig, denn es gibt kein einziges Boot mehr das man zu Wasser lassen kann – sie sind alle verschwunden, außer Dienst gestellt. Früher, ganz am Anfang, wurden die Boote aus Tannenholz gebaut. Später, als ich die Kunst- und Handwerksschule besucht hatte, verwendeten wir vor allem Lärchenholz. Das war das beste Material für den Bootsbau. Für die Böden nutzten wir Marinesperrholz. Dadurch musste man die Boote nicht mehr mit Pech abdichten. Davor musste man die Fugen sorgfältig verstopfen und anschließend Pech auftragen, damit kein Wasser eindringen konnte. Ich habe damals meine Ruder selbst hergestellt und mich um alle kleinen Arbeiten gekümmert, die rund um die Boote anfielen. Die Boote hatten eine besondere Form. Wenn man einen Aal fing, konnte er nicht einfach wieder hinausspringen. Über dem Bootsrand war eine Art Halterung angebracht, und außerdem gab es eine kleine Plattform. Darunter legte man die Aale, damit sie sicher verwahrt waren und nicht entkommen konnten.
