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SILENTPLAY VICENZA
Die Seesiedlung
Wir befinden uns hier in diesem Tal, das man das Tal des Fimon-Sees nennt – nicht zu verwechseln mit dem Fimon-Tal auf der anderen Seite. Dort, wo wir jetzt stehen, erstreckte sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts ein einziger großer See, der bis nach Longara reichte. Es war ein weitläufiges Gewässer und gehörte der Stadt Vicenza. Im Jahr 1348 verkaufte die Stadt den See an Privatleute: zehn wohlhabende Familien aus Vicenza. Dieser Teil des Gebiets ging in den Besitz der Familie Pigafetta über. Mit einem Augenzwinkern könnte man sagen, dass Pigafetta das Rudern und die Kunst der Navigation hier auf dem Fimon-See gelernt hat. Um das Jahr 1550 beschloss die Republik Venedig auf Wunsch der Dörfer rund um den See, dieses Gebiet trockenzulegen. Innerhalb weniger Jahrzehnte verwandelte sich so der einstige See in ein ausgedehntes Sumpfgebiet. Für die Landwirtschaft erwies sich das allerdings nicht gerade als großer Erfolg. Übrig blieben dieser See und der kleinere Fontega-See. Doch auch der Fontega-See wurde in den 1930er-Jahren trockengelegt. So blieb schließlich nur noch der Fimon-See, wie wir ihn heute kennen.
Die Seesiedlung – hier berührt das Thema meine persönlichen und familiären Gefühle, denn nach den Nachforschungen und Studien, die ich durchgeführt habe, geht die Entstehung dieser Siedlung auf unsere Vorfahren zurück, fast so wie die Gründungssage von Romulus und Remus. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts kam ein Mann namens Bertoldo aus Lapio hierher und ließ sich am See nieder. Mit ihm begann die Geschichte der Familie Dal Lago. Der Familienname verbreitete sich dann nach und nach, vor allem im 16. und 17. Jahrhundert. Die Dal Lago erweiterten ihre Familie Generation um Generation, und bis zum Zweiten Weltkrieg lebten am See vor allem die Dal Lago sowie noch einige wenige andere Familien – die Valdemarca und die Marangoni. Kurz gesagt: Dieses Gebiet war gewissermaßen unsere Heimat. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann eine starke Abwanderung ein. Die Siedlung entvölkerte sich und wurde beinahe komplett verlassen. Ich möchte nicht sagen, dass sie ausgestorben ist, aber sie kam dem sehr nahe. Heute sind wir nur noch vier oder fünf alte Leute, die über diesen Ort wachen und seine Erinnerung lebendig halten. Die Leute hier lebten damals vom Fischfang. In den 1930er-Jahren begann sich dann langsam auch der Tourismus zu entwickeln. Viele Menschen aus Vicenza kamen an den See, vor allem die wohlhabenderen Bürger der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen jedoch mehr Besucher aus Padua hierher und das vor allem, weil es hier eine Tanzfläche gab. An den Sonntag Nachmittagen wurde getanzt. Es gibt noch heute Erinnerungsfotos, die zeigen, wie viele Menschen damals sonntags an den See strömten. Diese Aufnahmen sind wirklich beeindruckend. Später ging dieser Tourismus zurück – oder besser gesagt: Er veränderte sich. Nicht, dass weniger Menschen gekommen wären, aber die Art des Besuchs wurde oberflächlicher. Die Leute kommen jetzt am Samstagnachmittag oder am Sonntagvormittag, verstopfen die Straße mit ihren Autos, essen ihr belegtes Brot, trinken eine Cola oder einen Spritz – und das war's dann. Die Natur um sie herum nehmen viele kaum noch wahr. In den 1970er- und 1980er-Jahren kam dann die Zeit der Tanzlokale. Das war fast noch schlimmer. Die Musik lief von halb zwölf Mitternacht bis zwei oder drei Uhr morgens. Das brachte nicht nur uns Menschen durcheinander, sondern auch die Tierwelt und die Vögel. Und tatsächlich: Die Vögel von früher gibt es heute nicht mehr. Stattdessen gibt es Schwäne. Wer weiß, woher sie gekommen sind.
