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Paradeisergasse


Ja, ich möchte jetzt etwas erzählen von der Paradeisergasse. Als ich die Mittelschule besucht habe, ich habe die Mittelschule nicht in Klagenfurt, sondern in Treibach-Althofen besucht, haben wir, konnte man einmal im Jahr, das Ansuchen für das Leistungsstipendium nach Klagenfurt schicken. Unser Landesschulrat hatte die Adresse Paradeisergasse und ich habe mich immer gewundert, wieso heißt die Gasse Paradeisergasse, weil Paradeiser ist eigentlich eine Tomate und eine Tomatengasse ist ja total komisch, aber Paradeisergasse könnte ja auch Paradies heißen, vielleicht kommt es vom Paradies. Woher es wirklich kommt, habe ich damals natürlich nicht gewusst.

Inzwischen weißt du es wahrscheinlich, Lieselore, es kommt vom Burggrafen Augustin Paradeiser, der in der Burg residiert hat und ein wichtiger Klagenfurt Bürger und Beauftragter der Landstände im 16. Jahrhundert war. Das heißt er hat die Verwaltung vertreten, er hat darauf aufgepasst, das in der Stadt alles richtig abläuft und das die Bürger nicht außer Rand und Band und außer Kontrolle geraten. Und die Burg selber, an der die Paradeisergasse vorbeiführt, das war ja der Sitz der Burggrafen und dieses Gebäude hat eine lange Geschichte, weil es ist gebaut worden, eigentlich als Schule für die jungen Klagenfurter Bürger, natürlich nur die männlichen Bürger zur damaligen Zeit, und die sind dort in die Schule gegangen. Wir haben auch eine Erzählung aus dem frühen 17. Jahrhundert, dass dort sogar eine Sternwarte mitten in der Stadt war. Heute ist das Haus ja das Museum Moderner Kunst Kärnten, also ein wichtiger kultureller Ort, aber leider Gottes hat dieses Haus in der 500-jährigen Geschichte auch dunkle Zeiten erlebt. Es war in der nationalsozialistischen Zeit zwischen 1938 und 1945 Sitz der geheimen Staatspolizei der GESTAPO und dort sind auch schlimme Verbrechen in dem Hof passiert. Aber mittlerweile ist es natürlich ein Teil der Geschichte und wir müssen damit umgehen und ich denke einmal mit Tomaten hat das alles ganz wenig zu tun.

Obwohl sie sehr gut schmecken.

Ja, und Augustin Paradeiser nachdem er ja ein wichtiger Bürger in der Stadt Klagenfurt war, war natürlich auch mit seinem, mit dem Wappen seiner Familie im Wappensaal vertreten und darin sind, wenn ich mich richtig erinnere, über 600 Wappen und eines davon ist der Familie Paradeiser gewidmet und vielleicht kann man das dort dann direkt anschauen.


1. Benvenuti al Museo della macchina da scrivere!